recovery schreiben gedanken zu self care & empowerment

16Apr/173

#1 Was mich nicht umbringt…

Was mich nicht umbringt, macht mich stärker“ ist ein bekannter Ausspruch des Philosophen Friedrich Nietzsche. Dieses Zitat provoziert nur auf den ersten Blick, denn hier lautet es nicht allgemein: Krisen machen stärker. Krisen können zerstörerische, katastrophale Konsequenzen haben. Nein, hier heißt es viel spezifischer auf ein Ich gemünzt: „Was mich nicht umbringt, macht mich stärker.“ Wie kommt es dazu, dass ein Ich sich so einschätzt? Wie gelingt eine solche Selbstinterpretation? Oder allgemeiner: Was sind die Bedingungen dafür, dass ich Stärke aus einer Krise ziehen kann? Dies ist ein Thema, das ich weiterverfolgen möchte und über das ich gerne in Austausch treten will.

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  1. Liebe To,

    ja, wenn ich darauf nur eine Antwort hätte. Warum gibt es Menschen, die über eine so große Ich- Stärke verfügen, dass sie scheinbar jedem Gegenwind trotzen?

    In Nietzsches Zitat steckt für mich ein entweder oder. Entweder bringt mich die Krise um oder ich gehe daraus gestärkt hervor. Und es kann sein, dass mich eine ähnliche Krise gestärkt entlassen hat und 3 Jahre später umgebracht hat.. Also steckt die Fähigkeit, eine Krise zu bewältigen in jedem Menschen, ist es von dem Zeitpunkt abhängig, an dem ich ihr begegne oder wovon?

    Ich erinnere mich in dem Zusammenhang, dass ich unbedingt mal ein Buch zum Thema Resilienz lesen wollte – ich sollte das wirklich tun.

    Vielen Dank für den Gedankenanstoß und liebe Grüße

    Hedda

  2. Ist es Ich Stärke? Oder ist es, das “Ich” ein bisschen gehen zu lassen- SICH zu verlieren nur nicht soweit keinen Rückweg zu finden?
    Trotzen die Menschen dem Gegenwind? Oder lassen sie ihn wie Wasser an sich vorbeifließen, weil er da ist?
    Akzeptanz, die Gegebenheiten so anzunehmen, wie sie grade real sind, scheint mir eine große Rolle zu spielen- wie Krisen zum Ausgang und zu Wachstum führen. Das Streiten, der Kampf gegen das was unabdingbar ist wie es ist, der Tod, der Verlust, das Ungewollte- das lässt Kräfte zerlaufen. Und doch scheint mir das Streiten auch notwendiger, wichtiger Teil eines Veränderungsprozesses in dem neue Blickwinkel erlernt sein wollen.
    Und auch, statt sich allein und isoliert zu denken, in Zusammehängen zu begreifen in denen wir alle so stark mit einander verwoben sind, hilft mir. Sei es durch den Kauf meiner Frühstücksmilch, die irgendwo anders doch, von jemand anderem hergestellt wurde, die ich nun in meinen Händen halte. Was für eine Kette! Was für ein Netz. Beim Betrachten all der mich umgebenden Dinge überkommt mich die Ungeheurlichkeit der Antwort auf das “Wer und was war alles dafür notwendig, damit ich das was ich so selbstverständlich wähne- gebrauchen kann?”

    Vielmehr aber noch durch die allen gemeinsame Menschlichkeit, könnte man sich schon als verbunden begreifen. Darin liegt eine große Kraft und ein großes Gefühl. Mit wem kann ich mich verbunden fühlen? Auch die Gemeinsamkeit in gemeinsamer Traurigkeit zu finden, in gemeinsamen Herausforderungen. Die wir für uns scheinbar alleine meistern müssen. Aber zu überprüfen, ist das denn wahr? Wer ist noch in meiner Situation? Wie sieht das ganze im größeren Rahmen aus?
    Ich mag den Gedanken an die Größe und Längekürze der menschlichen Geschichte. Wer und was war alles dafür nötig, damit ich Heute hier- so wie ich bin- sein kann? Das macht mich auch stark und fühlt sich verbunden an. Ebenso wie mich unter vielen zu begreifen und die Erde auch mal von oben an zu sehen, verstehe ich Nietzsches Ausruf als eine Aufforderung die Perspektive zu wechseln auf das, was sich uns als Schwierigkeiten, scheinbare Unmöglichkeiten in den Weg stellt oder unsere Wege gar gänzlich aufzulösen scheint.
    Es gab Zeiten, da hat mich dieses Zitat wütend gemacht. Da hat es mich provoziert.
    Weil es wie Hohn klang, so weit weg war die Stärke und wie Zumutung klang es, an allem wachsen zu müssen, was einen nicht umgebracht hat.
    Festzustellen: Ich lebe ja! Das war hingegen das pure Glück in nie gekannter Größe. Und dann festzustellen: Ich bin sogar lebendiger als vorher!

    Insofern kann ich Heute Nietzsches Spruch ganz anders hören. Ob er mir wohl zu Talfahrten Heute immer noch provokant vorkäme? Was könnte ich hören- wenn alles dröhnt? Die Frage beschäftigt mich: wie ein Ausgang im Zustand des Dröhnens und Donnerns gefunden werden kann und ob die Täler die selben sein werden oder sich durch gemeisterte Krisen anders, sanfter zeigen.

    Danke To für deinen Block, auf das er zusammenführt, was zusammengehört:
    Täler und Berge und die Wege darin.

  3. Liebe To,

    für mich stellt sich die Frage, inwieweit sich Ich mit sich selbst identifiziert? Ich glaube, dass es zu deiner Frage eine interessante Diskussion geben wird.

    Viele Grüße
    Gökhan


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